Artikel 1

Posted by on Nov 7, 2011 in Hamburger Klönschnack | No Comments

Das wohl bekannteste Gesetz ist der Artikel 1 im Grunggesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Was ist eigentlich Würde? Wikipedia hält dazu folgendes bereit:

Unter Menschenwürde wird die Vorstellung verstanden, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder anderer Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Zustand denselben Wert haben, da sie sich alle durch ein dem Menschen einzig gegebenes schützenswertes Merkmal auszeichnen, die Würde.

Warum schreib’ ich denn das alles? In den letzten Wochen habe ich mich vermehrt mit vielen Themen rund um unseren jungen Fanclub, allgemein um das “Fan sein” und verwandte Themen wie: Ultras, diverse Verbote (z.B. Pyro), Polizeigewalt und Polizeiwillkür befasst. Ein Thema allein reicht sicherlich schon, um ein ganzes Buch zu schreiben.

Es widerspricht meinem Verständnis von fairer Kommunikation, egal welchem Menschen eine Meinung, Überzeugung oder Religion (ist vielleicht auch alles das Selbe) zu oktroyieren (Stichwort Würe). Ich möchte im folgenden den interessierten Leser zum nachdenken anregen. Ich freue mich auf Reaktionen.

Unser Fanclub, wer sind wir eigentlich? Eine sachliche Betrachtung.

In unserem Fanclub beteiligen sich ca 5% der Mitglieder aktiv an der Gestaltung unseres Fanclubs. Sie organisieren, sind kreativ, bringen sich ein, versuchen den Mitgliedern möglichst bei Wünschen und Fragen zu helfen und planen Events.

Etwa 15-20 % der Mitglieder nehmen regelmäßig im Hofbräuhaus am Stammtisch teil, wenn es darum geht, Fußball zu schauen. 70% der Mitglieder tun das unregelmäßig oder selten. 10-15 % sind so gut wie nie beim Stammtisch. Sie trudeln bei besonderen Events (Schalausgabe, Aumann-Besuch, Ticketausgabe) im Hofbräuhaus ein.

Etwa 35% haben sich finanziell durch Spenden am Fanclub beteiligt um die entstandenen Kosten für das Aumann-Event, die beiden Fanclub-Fahnen etc. und zukünftige Projekte zu unterstützen.

In unserem Fanclub gibt es unterschiedliche Fans. Es gibt welche die schlicht und ergreifend Fußball sehen wollen und deren Lieblingsmannschaft der FC Bayern ist. Einige versuchen möglichst oft Spiele zu besuchen, Sie opfern dafür Zeit, Geld und manchmal auch Urlaubstage. Viele sind Feuer und Flamme, schreien laut wenn der FC Bayern ein Tor schießt.

Einige im Stadion singen immer mit. Sie feuern das Team an, ganz egal ob es zurückliegt. Sie unterstützen das Team, gerade auch wenn es mal nicht läuft. Sie veranstalten Spektakel, Zeigen Ihre Schals und schwenken Fahnen. Sie genießen das Gemeinschaftsgefühl und geben alles um das Team zu pushen. Letztgenannte gesellen sich gerne in den Block der so genannten Ultra-Anhänger. Sie stören sich nicht daran das das halbe Spielfeld von Fahnen oder Rauch verdeckt ist.

Die Auflistung der unterschiedlichen Fan-Typen unterliegt keinerlei Wertung. Jede Art von Fan ist bei uns herzlich willkommen.

Fair Play

Genau wie unser Fanclub sind wohl alle Fans von Fußball-Manschaften weltweit in Ihrer Art Fan zu sein unterschiedlich. Es sollte überall der letzte Satz vom letzten Absatz gelten: jede Art von Fan ist willkommen (hier sind natürlich Depperte die andere oder anderer Eigenturm verletzen oder sonstigen Bockmist verzapfen kategorisch ausgegrenzt). Im Umkehrschluss heißt das, dass auch jeder der Fans auf seine Kosten kommen sollte. Da wir wissen, was die einen mögen und was die anderen mögen, heißt es doch eigentlich nur, gegenseitig zu respektieren.

Wenn von 70000 Zuschauern 10000 Fahnen schwenken, Schals in die Luft strecken und während Sie die Manschaft lautstark anfeuern 3 Minuten während eines Spiels Pyrotechnik abbrennen wollen, ist das aus meiner Sicht völlig in Ordnung. Genau so ist es in Ordnung, wenn 60000 einfach nur konsumieren wollen. Sie möchten “dabei sein”, Fußball gucken und unterhalten werden. Die Pyrotechnik mag unter Umständen das Spiel um einige Minuten verzögern, aber selbst für die 60000 die nur das Spiel sehen wollen, ist doch gerade auch die Kurve in der sich die “Ultras” aufhalten und das was dort passiert, sofern es friedlich zugeht immer ein angenehmes Gesprächsthema. Es macht den Stadionbesuch zu einem Erlebnis.

In Amerika gibt es einen Football Fan der seit 20 Jahren eine Dauerkarte hat. Diese hat er in der 3. Reihe in der teuersten Kategorie. Er ist nicht nur leidenschaftlicher Football-Fan sondern hat auch das Geld sich diese Karte zu leisten. Dieser Mann sprang neulich als es spannend wurde beim Spiel auf und blieb ca. 2 Minuten vor Spannung stehen. Er erhielt daraufhin ein Stadionverbot weil sich andere darüber beschwerten, er habe Ihnen die Sicht versperrt.

Wollen wir wirklich durch Verbote von Pyrotechnik und Fahnen etc. die Emotionen aus dem Fußball verbannen? Muss man nicht auch manche Dinge die dazugehören aber vielleicht nicht jedem passen einfach akzeptieren? Freut sich nicht auch der Sitzplatz-Fan über die gute Stimmung im Stadion und geht gerade deswegen hin? Er ist hautnah dabei, die Emotionen schwappen über? Wollen wir demnächst noch die Laola-Welle verbieten, weil man für einige Sekunden den Blick aufs Spielfeld versagt bekommt wenn man mitmacht oder gar sitzen bleibt? Meint ihr nicht, wer es gemütlich und reibungslos will, sollte sich vor den Fernseher setzen? Toleranz ist hier das falsche Wort. Es bedeutet “erdulden, erleiden”. Ich denke akzeptanz ist das bessere Wort. Wie wir andere Hautfarben und Lebensweisen akzeptieren, sollten wir auch gegenseitig akzeptieren das wir unterschiedliche Fans sind. Aus meiner Sicht geht es sogar weit über die Akzeptanz hinaus. Wir sollten froh sein das es diese Vielfalt gibt. Sie macht das Leben spannend und aufregend.

Wenn wir diese Sichtweise dann in unser gesamtes Leben transportieren, bietet das eigentlich die Grundlage für ein faires gemeinsame Miteinander. Ich möchte nicht ausgegrenzt werden weil ich auf Männer stehe. Die jüngeren unter uns, wollen ebensowenig belächelt werden weil Sie jünger und forscher sind. Die Stilleren von uns… und so weiter. Ich befasse mich gerne mit Dingen die mir fremd sind, nur so kann ich sie positiv beeinflussen. Man muss nicht jeden mögen, man muss nicht mit jedem befreundet sein, aber man kann immer fair bleiben.

Und meine persönliche Sicht?

Eigentlich war das ja alles schon sehr subjektiv. Ich komme aber nicht darum herum zunächst mal ein dankeschön an die Kollegen zu richten, die sich wirklich n’ Kopf um den Fanclub machen und sich beteiligen. Ich wünsche mir das sich mehr Mitglieder einbringen und mit anpacken, vorallem aber das ihr noch mehr aufeinander zugeht und der “Harte Kern” sich step by step vergrößert. Nehmt die jüngeren Mitglieder mit, sprecht mit Ihnen vernünftig, so wie ihr auch angesprochen werden wollt. Sprecht auch mal mit Menschen, die nicht zu eurer “Clique” gehören und akzeptiert einander.

Vater Abraham hat jetzt genug geschwafelt. Den Anstoß zu meinem ersten Artikel bekam ich übrigens auf der sehr lesenswerten Website der Schickeria München und durch einen sehr gelungenen Artikel auf schwatzgelb.de – daher auch hier ein Dankeschön und bis bald in die Kurve an die Schickeria und auf ein emotionales aber friedliches aufeinandertreffen am 19.11. gegen die olle Borussia aus Dortmund ;-)

Oh du mein FCB – meine Liebe, rot wie Blut und weiss wie Schnee!

Axel

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.